Nachhaltig helfen: Was Hilfsbereitschaft im Team am Laufen hält

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as einen Arbeitstag trägt, sind meist Kleinigkeiten: die schnelle Antwort im Chat, der Blick über die Schulter, das kurze Einspringen, wenn es eng wird. Und trotzdem hat ausgerechnet diese Kollegialität oft ihren Anteil daran, wenn wir abends erschöpft den Laptop zuklappen.

Eine organisationspsychologische Untersuchung mit 375 Beschäftigten zeichnet ein doppeltes Bild. Wer anderen hilft, erlebt die eigene Arbeit häufig als bedeutsamer und fühlt sich im Team sicherer. Beides führt dazu, dass man sich stärker mit der eigenen Arbeit verbunden fühlt. Und wer sich verbunden fühlt, hilft später wieder mehr. Ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

Dieselbe Untersuchung zeigt aber auch die Kehrseite: Wer viel hilft, ist emotional erschöpfter. Wer ausgelaugt ist, fühlt sich weniger verbunden und hilft dadurch auch weniger.

Warum Helfen erschöpfen kann, ist nicht abschließend geklärt. Gut untersucht ist dagegen ein Umstand, der fast immer mitspielt: Spontanes Helfen ist auch eine Unterbrechung.

Der unsichtbare Rest

Jede Unterbrechung zwingt das Gehirn zu einem Wechsel. Und der gelingt vor allem dann nicht sauber, wenn die eigene Aufgabe unfertig ist oder unter Zeitdruck steht. Ein Teil der Aufmerksamkeit bleibt an der alten Aufgabe haften, ähnlich einem Programm, das im Hintergrund geöffnet bleibt und unbemerkt Rechenleistung zieht. In der Forschung heißt dieser Effekt „Attention Residue", also der Rest an Aufmerksamkeit, der zurückbleibt.

Im Moment des Wechsels fühlt sich das unproblematisch an. Spürbar wird es erst später: Die Konzentration lässt nach, und am Ende des Tages sind Aufgaben offen, obwohl man durchgehend beschäftigt war.

Damit Hilfsbereitschaft verlässlich bleibt

Die Lösung ist nicht, seltener zu helfen. Es braucht nur einen bewussteren Umgang mit Unterbrechungen.

- Gebündelte Hilfe: Das Team vereinbart eine feste Zeit für kleinere Anfragen, etwa 15 Minuten am Nachmittag. Aus vielen kleinen Wechseln wird so ein einziger.

- Ready-to-Resume-Notiz: Wer doch unterbrochen wird, notiert in einem Satz den nächsten eigenen Schritt, zum Beispiel „Tabelle auf Folie 3 einfügen". In Experimenten hat das den gedanklichen Rest verringert. Der Kopf wird frei für die Anfrage, weil klar ist, wo es danach weitergeht.

Eines lässt sich damit allerdings nicht lösen: Wenn Rückfragen immer bei denselben Teammitgliedern landen, hilft auch der bewussteste Umgang mit Unterbrechungen nicht. Dann braucht es eine Verteilung, etwa rotierende Zuständigkeiten für akute Fälle.

Für andere da sein, ohne dass es einen auslaugt: Darauf kommt es am Ende an. Dann bleibt Kollegialität das, was sie im Kern ist: etwas, das den Arbeitstag trägt.