Warum die WHO von Süßstoffen abrät

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ine neue Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfährt gerade viel Aufmerksamkeit: Die WHO rät vom Einsatz von Süßstoffen zu Gewichtskontrolle und Vorbeugung von chronischen Krankheiten ab. Die wichtigsten Fakten:

Um welche Stoffe geht es genau?

Die WHO-Richtlinie bezieht sich ausschließlich auf zuckerfreie Süßstoffe (non-sugar sweeteners). Das sind natürliche oder künstliche Ersatzstoffe, die eine hohe Süßkraft, aber wenig oder keine Kalorien haben. Bekannte Beispiele sind Stevia und Aspartam. Zuckeraustauschstoffe wie Xylit und Erythrit gehören nicht dazu.

Auf welcher Grundlage erfolgt die Empfehlung?

Die WHO-Richtlinie basiert auf einer Auswertung der Studienlage. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, wurden nur Studien ausgewählt, in denen die Süßstoffe innerhalb der zulässigen täglichen Aufnahmemengen konsumiert wurden.

Worum geht es nicht?

Die WHO-Richtlinie ist nicht als Warnung vor bestimmten Süßstoffen zu verstehen. Einzelne Stoffe stehen seit langem im Verdacht, Krebs, Diabetes oder andere Krankheiten auszulösen. Die WHO kommt allerdings zu dem Schluss, dass es dazu bisher keine aussagekräftige Studienlage gibt. Anstatt mögliche Risiken einzelner Produkte zu bewerten, widmet sich das WHO-Papier der gesamten Produktkategorie. Nicht betrachtet wurde dabei die Verwendung von Süßstoffen in der Ernährung von Menschen mit Diabetes.

Was ist denn nun das Problem bei Süßstoffen?

Die WHO stuft die Studienlage zu Süßstoffen insgesamt als recht unklar ein. Ausschlaggebend für die Empfehlung sind daher nicht mögliche Risiken, sondern die Tatsache, dass kein Nutzen für die Gewichtskontrolle nachgewiesen werden konnte. Wenn man Zucker durch Süßstoff ersetzt, sind die positiven Auswirkungen auf das Gewicht demnach bestenfalls kurzfristig. Langfristig steigt womöglich sogar das Risiko für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2. Im Kern besteht das Problem darin, dass das Ersetzen von Zucker durch Süßstoffe nicht zu einer nachhaltigen Umstellung der Ernährung führt. Die WHO verweist auch darauf, dass Süßstoffe häufig in hochverarbeiteten Lebensmitteln zu finden sind, die in Studien generell mit gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht werden – egal ob sie nun Zucker enthalten oder nicht.

Was empfiehlt die WHO stattdessen?

Die neue Leitlinie muss unbedingt im Zusammenhang mit der vorhergehenden WHO-Empfehlung zum Verzicht auf Zucker gesehen werden. Die Organisation rät dazu, insgesamt weniger Süßes zu konsumieren. Statt gesüßter Lebensmittel empfiehlt die WHO von Natur aus süße Speisen wie Obst sowie ungesüßte Speisen und Getränke. Besonders wichtig ist der Organisation, dass bereits Kinder mit einer weniger süßen Ernährung aufwachsen.

Welche praktischen Folgen hat die Richtlinie?

Die WHO kann nur Empfehlungen aussprechen und richtet sich damit an Entscheidungsträger in Politik, Gesundheitswesen und Lebensmittelindustrie. Eine besondere Bedeutung wird der Aufklärung der Konsumenten beigemessen. Darüber hinaus werden Regulierungen der Industrie bei der Herstellung, Bewerbung und Kennzeichnung von Produkten mit Süßstoffen vorgeschlagen. Die Richtlinie ist als bedingte Empfehlung formuliert, da die WHO zu diesem Thema weiterhin viel Forschungsbedarf sieht.